Mit dem vorliegenden Band Flugsaurier und ihr Spiegelbild in der Philatelie liegt nun nach den Bänden über fossile Trilobiten, Cephalopoden und Fische bereits das vierte Buch dieser Reihe des Verlags Dr. Friedrich Pfeil vor. Die Grundlage hier sind Motivbriefmarken, Markenblöcke und Sonderstempel mit Darstellungen von Flugsauriern, teils im Original als Fossilien und meist als Lebensbildrekonstruktionen. Das Flugsauriermotiv auf der Briefmarke wird jeweils dem Originalfossil gegenübergestellt, abgebildet und kurz beschrieben. Die Anordnung der etwa 70 hier zusammen erfassten Flugsauriergattungen und -arten entspricht dem gegenwärtigen Stand der paläontologischen Systematik.
Im Laufe der biologischen Evolution ist es drei Gruppen von Wirbeltieren gelungen, durch aktive Flugleistungen in die ökologische Nische Luftraum vorzudringen. Es waren dies die Flugsaurier, die Vögel und die Fledermäuse. Alle drei Gruppen haben die Flugfähigkeit unabhängig voneinander, auf ganz unterschiedliche Weise und in dieser Reihenfolge zu verschiedenen Zeiten erreicht. Dabei waren es die Flugsaurier, wissenschaftlich Pterosaurier, die schon während der Triaszeit, vor über 200 Millionen Jahren, den aktiven Flug erworben hatten. Das bedeutet, dass sie kontrolliert, im freien Luftraum beliebig steuerbar und orientiert fliegende Reptilien waren. Das setzte bereits hoch entwickelte Nerven-und Gehirnstrukturen, ein entsprechendes Atmungs-und Kreislaufsystem sowie hohe Stoffwechselleistungen voraus. Gegenüber den heute lebenden Reptilien, wie den Schildkröten, Krokodilen oder Eidechsen nehmen die Flugsaurier in dieser Hinsicht eine Sonderstellung ein. Auch mit den Dinosauriern waren sie nicht näher verwandt. Es ist also irreführend sie, wie auf einigen der Briefmarkenausgaben als „fliegende Dinosaurier“ zu bezeichnen.
Ohne die Fossilfunde und ohne die Forschungen der Paläontologie, der Wissenschaft vom Leben der erdgeschichtlichen Vergangenheit, hätten wir keine Kenntnis von diesen interessanten, ja faszinierenden Tieren der Vorzeit. Sie waren fast während des ganzen Erdmittelalters 150 Millionen Jahre lang außerordentlich erfolgreich, vielfältig und weltweit
verbreitet. Jedoch gehören Fossilfunde von Flugsauriern meist zu den Seltenheiten. Für diese terrestrischen Flugtiere war die Chance fossil erhalten zu werden relativ gering. Die meisten Funde stammen deshalb aus geologischen Schichten ehemaliger See- oder küstennaher Meeresablagerungen. Besonders günstige Erhaltungsbedingungen herrschten in den Lagunensedimenten in Süddeutschland, den Solnhofener Plattenkalken der oberen Jurazeit oder in Nordostchina in lacustrinen Schichten der unteren Kreidezeit. Außer den Skelettknochen sind manchmal auch Spuren der Flughaut und der Körperbedeckung überliefert, während Körperweichteile meist dem Fossilisationsprozess zum Opfer gefallen sind. Flugsaurier hatten eine einzigartige Flügelkonstruktion und unterscheiden sich darin sowohl von Vögeln, als auch von Fledermäusen. Im Handskelett ist nur der vierte Finger extrem verlängert und verstärkt. Hier setzte eine Flughaut an, die sich seitlich zum Körper und zu den Hinterbeinen hin erstreckte. Auch andere Skelettmerkmale lassen darauf schließen, dass sie gute und aktive Flieger gewesen sein müssen.
Die ältesten Funde von Flugsauriern stammen aus Schichten der oberen Triaszeit, die jüngsten aus Sedimentgesteinen der obersten Kreidezeit. Sie waren damit Zeitgenossen der Dinosaurier und sind mit ihnen vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben. In ihrer Popularität standen sie aber lange Zeit im „Schatten der Dinosaurier“, die mit zum Teil gigantischen Körpergrößen nicht nur Wissenschaftler, sondern auch die allgemeine Öffentlichkeit begeisterten. Dass auch Flugsaurier interessante, ja faszinierende Tiere der Vorzeit waren, wurde allgemein erst durch neue Fossilfunde und Forschungen ab den 1970er Jahren in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Besonderen Eindruck machten dabei Arten mit bizzaren Knochenkämmen auf dem Kopf oder die Giganten unter ihnen mit einer Flügelspannweite von mehr als 11 m und damit die größten Flugtiere aller Zeiten. Das gestiegene Interesse an Flugsauriern machte es für Postverwaltungen vieler Länder reizvoll, sie auch auf Briefmarken darzustellen, sehr zur Freude der mittlerweile zahlreichen Motivsammler.
Mit den ergänzenden philatelistischen Angaben zu den Briefmarken als auch mit den paläontologischen Kurzbeschreibungen der Originalfossilien ist dieser Band für Philatelisten eine Art Katalog mit erweiterten Hintergrundinformationen, aber auch für Hobbypaläontologen ein interessantes Nachschlagewerk.
Dr. Peter Wellnhofer, Februar 2023
Hauptkonservator i.R.
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München






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