Organisation der Tagung:
Prof. Dr. Reinhard Mosandl
Prof. Dr. Jörg Müller
Prof. Dr. Julia Pongratz
Redaktion: Dr. Claudia Deigele, Forum Ökologie
Rundgespräch am 9. April 2024 in München
2024. [Deutsch] – 128 Seiten, 55 Farb- und 2 Schwarzweißabbildungen, 2 Tabellen
24 x 17 cm. Paperback
Reihe: Rundgespräche Forum Ökologie
Vorbestellung. Dieses Buch erscheint im 4. Quartal 2026.
25,00 €
zzgl. Versandkosten / Versandkostenfrei in D
Wälder stehen weltweit unter zunehmendem Druck durch den Klimawandel, extreme Wetterereignisse, Schädlinge und menschliche Eingriffe. Zugleich erfüllen sie unverzichtbare Funktionen für den Klimaschutz, die Biodiversität und die Gesellschaft. Der vorliegende Band beleuchtet den aktuellen Zustand der Wälder und untersucht die Risiken, vor denen Waldökosysteme stehen, sowie Möglichkeiten für ihren langfristigen Schutz und ihre nachhaltige Bewirtschaftung.
Die 9 Beiträge behandeln globale und nationale Waldentwicklungen, die Auswirkungen klimatischer und menschlicher Einflussfaktoren sowie die Bedeutung von Störungen, Baumartenmischung und struktureller Vielfalt für die Widerstandsfähigkeit der Wälder. Darüber hinaus werden Zielkonflikte zwischen Holzproduktion, Klimaschutz, Biodiversität und weiteren Ökosystemleistungen diskutiert. Anhand aktueller Forschungsergebnisse und praktischer Ansätze zeigt der Band Perspektiven für einen klimaangepassten Waldumbau auf und beleuchtet, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkretes Handeln umgesetzt werden können.
Organisation der Tagung:
Prof. Dr. Reinhard Mosandl
Prof. Dr. Jörg Müller
Prof. Dr. Julia Pongratz
Redaktion: Dr. Claudia Deigele, Forum Ökologie
Vorwort 5
In memoriam: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Haber 7
Begrüßung 9
Reinhard Mosandl: Einführung in das Rundgespräch 11
Martin Herold: Zustand der Wälder weltweit 15
Diskussion 22
Andreas Bolte: Waldzustand in Deutschland – Ergebnisse der nationalen Walderhebungen 25
Diskussion 35
Ana Bastos: Klimatische und menschliche Risikofaktoren für Waldökosysteme 37
Diskussion 45
Rupert Seidl: Störung und Resilienz von Waldökosystemen 47
Diskussion 55
Carola Paul: Von der Holzproduktion hin zur Multifunktionalität von Wäldern – Zielkonflikte und Lösungsansätze 59
Diskussion 69
Jörg Müller: Heterogenisierung von Wäldern – Lehren für Biodiversität und Multifunktionalität 71
Diskussion 79
Michael Scherer-Lorenzen: Baumartenmischung als Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz – Erkenntnisse aus Experimenten weltweit 81
Diskussion 90
Julia Pongratz: Großflächige Aufforstungen als Beitrag zur Lösung der Klimakrise? 93
Diskussion 102
Peter Pröbstle: Vom Wissen zum Handeln: Perspektiven für die Zukunft der Wälder 105
Diskussion 117
Schlagwortverzeichnis 119
Verzeichnis der Vortragenden und Diskussionsteilnehmer am Rundgespräch 125
Einführung in das Rundgespräch
Reinhard Mosandl
11-14, 1 Farbabbildung
Wälder standen in der Vergangenheit schon mehrfach im Zentrum eines Rundgesprächs an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Schon eine der ersten Veranstaltungen der damaligen Kommission für Ökologie hatte den Titel »Zustand und Gefährdung des Bergwaldes« (BAdW 1990). Die Veranstaltung bestand aus einer Exkursion in Bayerische Forstämter im September 1988 und in einem Rundgespräch im April 1989. Das Thema »Zustand und Gefährdung der Laubwälder« im Jahr 1991 war sozusagen die Fortsetzung dieses Bergwaldrundgesprächs, publiziert im Berichtsband 5 der Kommission (BAdW 1993). Im Rundgespräch 1996 behandelten wir dann die Forstwirtschaft im Konfliktfeld zwischen Ökologie und Ökonomie (BAdW 1997) und im Jahr 2013 beschäftigten wir uns mit dem Schutz und der Nutzung von Tropenwäldern (BAdW 2013). Nun also das Rundgespräch 2026: »Wälder: Zustand, Gefährdung und Management«.
Bei der Vorbereitung des Rundgesprächs im Forum Ökologie tauchte die Frage auf: »Was ist eigentlich ein Wald?«. Befragt man hierzu ChatGPT, lautet die durchaus brauchbare Antwort: »Ein Wald ist ein größeres, zusammenhängendes Gebiet, das überwiegend mit Bäumen bewachsen ist und ein eigenes Ökosystem bildet. Es besteht nicht nur aus Bäumen, sondern auch aus Sträuchern, Kräutern, Pilzen, Tieren, Mikroorganismen und dem Waldboden.« Man erfährt auch, warum Wälder wichtig sind, nämlich weil sie Sauerstoff produzieren, Kohlendioxid speichern, den Boden vor Erosion schützen, den Wasserhaushalt regulieren und Erholungsraum für den Menschen bieten.
Zustand der Wälder weltweit
Martin Herold
15-24, 5 Farbabbildungen
Durch die Kombination von Geländemessungen und Fernerkundung hat sich das Verständnis des Waldzustands global und national erheblich verbessert. Die weltweite Waldfläche von derzeit etwa 4,1 Mrd. Hektar nimmt seit 1990 insgesamt ab, insbesondere in den tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas, während z. B. in Europa Zuwächse der Waldfläche verzeichnet werden. Raum-zeitlich detailgenaue Analysen (vor allem aus Fernerkundungsdaten) zeigen die dynamische Natur der Wälder, die regional auch positive Entwicklungstrends aufweisen. Die Interpretation und Bedeutung dieser Veränderungen hängen stark vom natürlichen und politischen Kontext ab. Im Rahmen des europäischen Green Deal wurden zahlreiche Regularien eingeführt, darunter die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die den Import entwaldungsrelevanter Produkte wie Holz, Kakao, Soja und Kaffee in die EU verbietet, um den Waldverlust zu reduzieren. Die EU-Klimagesetzgebung und Verordnungen zur Restaurierung degradierter Flächen betonen die ökologische und wirtschaftliche Relevanz vor allem mit Wald als Kohlenstoffsenke und in der Bereitstellung verschiedener Ökosystemleistungen. Für die Zukunft bleibt es eine zentrale Aufgabe, dynamische Waldveränderungen, etwa durch Störungen, zeitnah zu erfassen – sowohl national in Deutschland als auch global –, um nachhaltige Management- und Schutzmaßnahmen zu ermöglichen.
Waldzustand in Deutschland – Ergebnisse der nationalen Walderhebungen
Andreas Bolte
25-36, 5 Farb und 1 Schwarzweißabbildung, 2 Tabellen
Mit den nationalen Walderhebungen Bundeswaldinventur (BWI), Bodenzustandserhebung (BZE), Waldzustandserhebungen (WZE) und Intensives Forstliches Umweltmonitoring (Level II) lassen sich der Waldzustand und seine Entwicklung flächenrepräsentativ beurteilen. Die Waldschäden insbesondere in Fichtenbeständen verminderten zwischen 2017 und 2022 die Bestandes- und Kohlenstoffvorräte. Damit wurden der Wald und die nachgelagerte Holznutzung nach internationalen Berechnungsregeln der Klimaberichtserstattung zeitweise eine Nettoquelle für Kohlendioxid. Projektionen zur weiteren Emissionsentwicklung im Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) lassen Zweifel aufkommen, dass die Klimaschutzziele 2030, 2040 und 2045 erreicht werden. Die Schäden der letzten Jahre haben in der Waldstruktur und -entwicklung (2012 bis 2022) deutliche Spuren hinterlassen. Die Kiefer hat die Fichte als häufigste Baumart abgelöst, Buche und Eiche haben Anteile gewonnen. Die Fläche und das Alter der Wälder haben zugenommen, allerdings auch der Anteil der Jungbestandsflächen. Lösungen zur Anpassung der Wälder bietet die Umgestaltung risikoreicher Wälder. Eine deutliche Steigerung beim Umbau gefährdeter Bestände mit Fichte, aber gebietsweise auch Buche, ist erforderlich (Ziel: 100 000 ha jährlich). Eine Entwicklung und Erprobung alternativer Managementverfahren in Waldreallaboren bieten Optionen, Wälder in enger Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft zukünftig zu entwickeln.
Klimatische und menschliche Risikofaktoren für Waldökosysteme
Ana Bastos
37-46, 6 Farbabbildungen
Die terrestrische Biosphäre spielt eine zentrale Rolle im Klimasystem und nimmt jährlich rund 25-30 % der menschlichen CO2-Emissionen auf. Ohne diese Kohlenstoffsenke läge die atmosphärische CO2-Konzentration bereits über 500 ppm. Allerdings schwächen sich die Kohlenstoffsenken in Deutschland und Europa, insbesondere in Wäldern, derzeit ab, wodurch die Klimaschutzziele im Landnutzungssektor zunehmend gefährdet sind. Klimarisiken für Waldökosysteme entstehen durch das Zusammenwirken von Klimaveränderungen und menschlichen Eingriffen. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster sowie häufigere Hitze- und Dürreereignisse setzen Ökosysteme Bedingungen aus, an die sie nur begrenzt angepasst sind. Gleichzeitig können intensive Holznutzung und andere Eingriffe die Vulnerabilität der Wälder erhöhen. In Europa gehen zunehmend extreme Wetterereignisse mit einer intensiveren Waldnutzung einher, wobei sich diese beiden Faktoren gegenseitig verstärken und zu einer Verringerung der Kohlenstoffbindung in Wäldern beitragen. Insbesondere seltene Extremereignisse können Kaskadeneffekte auslösen, z. B. in Verbindung mit Bränden oder Schädlingsbefall, und Wälder von CO2-Senken in temporäre CO2-Quellen verwandeln. Für die kommenden Dekaden werden erhebliche Risiken für Waldökosysteme prognostiziert. Eine weitere Abschwächung der Kohlenstoffsenken könnte das verbleibende CO2-Budget verringern und die globale Erwärmung verstärken. Daher sind sowohl eine klima- und biodiversitätsorientierte Waldbewirtschaftung als auch eine rasche Reduzierung der Treibhausgasemissionen erforderlich.
Störung und Resilienz von Waldökosystemen
Rupert Seidl
47-57, 7 Farbabbildungen
Störungen, das sind Wellen des Baumsterbens z. B. durch Waldbrand, Dürre, Windwurf und Borkenkäfer, haben in Europas Wäldern in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Dürre- und Borkenkäfer-Jahre 2018-2020 waren die größte Störungswelle in Europa seit mindestens 170 Jahren. Europas Wälder haben jedoch eine hohe Resilienz gegenüber diesen Störungen. Der Wald verjüngt sich in Mitteleuropa rasch und stammzahlreich und 3-5 Jahre nach Störung stehen im Mittel bereits wieder mehr als 7000 Bäumchen pro Hektar auf gestörten Flächen. Ein Großteil dieser Verjüngung (zwischen 64 % und 86 %) ist jedoch nicht gut an den zukünftigen Klimawandel angepasst. Die katalysierende Wirkung von Störungen in der Reorganisation von Ökosystemen kann sich aktuell in Mitteleuropa nicht ausreichend entfalten. Hier besteht also akuter Bedarf für aktiven Waldumbau. Störungen werden auch im bestmöglichen Zukunftsszenario weiter ansteigen. Bei einer weitgehend ungebremsten Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts könnten sich Störungen vom aktuellen Niveau ausgehend nochmals verdoppeln. Weiterhin steigende Störungen stellen eine große Herausforderung für die Forstwirtschaft dar, bieten aber auch Chancen für die Biodiversität, da sich gestörte Flächen in Mitteleuropa durch hohen Artenreichtum auszeichnen. Störung und Resilienz sind zentrale Elemente für den Waldbau der Zukunft.
Von der Holzproduktion hin zur Multifunktionalität von Wäldern – Zielkonflikte und Lösungsansätze
Carola Paul
59-70, 6 Farbabbildung
Der Beitrag beschreibt den Wandel des Waldes vom reinen Holzlieferanten zum multifunktionalen Ökosystem mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistungen. Er fragt, wie die Waldbewirtschaftung diese Multifunktionalität fördern kann und wie wissenschaftliche Methoden bei Lösungsstrategien helfen. Das Kaskadenmodell verdeutlicht den Unterschied zwischen Multifunktionalität von Ökosystemfunktionen und -leistungen. Die typische Zielsetzung der mitteleuropäischen Forstwirtschaft, möglichst viele Leistungen auf derselben Fläche zu erbringen, ist durch Flächenknappheit bedingt, führt aber zu Zielkonflikten auf verschiedenen Skalen. Der Text systematisiert aktuelle Ansätze zur Quantifizierung von Multifunktionalität und zeigt anhand eines Beispiels, wie empirische, Simulations- und Optimierungsmethoden bei der Entwicklung von Kompromisslösungen unterstützen können. Wichtige Hebel sind die Berücksichtigung von Unsicherheiten bei Entscheidungen, die Förderung der Diversifizierung, z. B. durch Baumartenwahl auf Betriebs- bzw. Landschaftsebene, sowie die Einbindung partizipativer Prozesse. Dabei sollte der Wald sowohl als öffentliches als auch als privates Gut betrachtet werden und Verlagerungseffekte sollten in einer globalisierten Welt berücksichtigt werden. Ein Pluralismus von Ansätzen, nicht ein einziges Paradigma, unterstützt die multifunktionale Waldbewirtschaftung.
Heterogenisierung von Wäldern – Lehren für Biodiversität und Multifunktionalität
Jörg Müller
71-80, 4 Farbabbildungen
Robert MacArthur zeigte bereits in den 1960er Jahren, dass mehrschichtige Wälder eine höhere Vogelvielfalt aufweisen, der Grundstein für die Habitat-Heterogenitäts-Hypothese. Heute wird zwischen abiotischer Heterogenität (z. B. Klima, Böden, Topografie) und biotischer Heterogenität (Vegetationsstruktur, Landschaftsmuster) unterschieden. Im Nationalpark Bayerischer Wald führten Windwurf und Borkenkäferbefall über mehrere Jahrzehnte zu vielfältigen Waldstrukturen mit Lichtungen und Totholz. Viele Artengruppen reagierten mit einem Anstieg der Diversität, wobei sich unter anderem zeigte, dass Strukturvielfalt oft wichtiger ist als Baumartenvielfalt. Beim Totholz kommt es für eine hohe Artenvielfalt mehr auf die Vielfalt als auf die Totholzmenge an. Laserscanning hat es möglich gemacht, ein Ranking der wichtigsten Heterogenitätsgradienten für temperate Wälder vorzunehmen. Am bedeutendsten erwies sich dabei die horizontale Strukturvielfalt, gefolgt von Pflanzenvielfalt und vertikaler Heterogenität. Das Landschaftsexperiment »BETA-FOR« bestätigt, dass heterogene Wälder die Diversität u. a. von Insekten, Vögeln und Fledermäusen erhöhen, zeigt aber auch, dass die Mechanismen dahinter je nach Artengruppe variieren. Inwieweit dies auch die Multifunktionalität der Wälder stärkt, wird aktuell noch erforscht Die Schlussfolgerung lautet, dass natürliche Störungen und gezielte Strukturheterogenisierung viel stärker genutzt werden sollten, um artenreiche und klimaresiliente Wälder zu fördern.
Baumartenmischung als Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz – Erkenntnisse aus Experimenten weltweit
Michael Scherer-Lorenzen
81-91, 8 Farb- und 1 Schwarzweißabbildung
Diese Analyse untersucht den kausalen Zusammenhang zwischen Baumartendiversität und der ökologischen Stabilität, wobei die dynamische Natur von Ökosystemen betont wird. Unter Nutzung eines globalen Netzwerkes von Baumdiversitätsexperimenten werden folgende Punkte dargelegt. Zeitliche Stabilität der Produktivität: Eine höhere Diversität korreliert mit einer gesteigerten zeitlichen Konstanz des Zuwachses. Dieser Effekt wird primär durch die Asynchronität der Artenreaktionen auf fluktuierende Umweltbedingungen erklärt (»Versicherungseffekt«), wodurch die Variabilität der Gesamtsystemleistung reduziert wird. Resistenz, Resilienz: Artenreiche Bestände zeigen eine höhere Resistenz gegenüber biotischen und abiotischen Stressoren (insb. Dürre), was auf Ressourcen-Komplementarität (z. B. Nischennutzung im Bodenraum) und eine geringere Anfälligkeit für spezialisierte Pathogene zurückzuführen ist. Die Resilienz (Erholungsrate) kann in artenarmen Systemen aufgrund geringerer interspezifischer Konkurrenz nach Störungsereignissen paradoxerweise höher ausfallen. Ökosystemleistungen: Mischbestände weisen eine signifikante Multifunktionalität auf. Sie übertreffen Monokulturen in nahezu allen Leistungsindikatoren (C-Sequestrierung, Bodenschutz, Biodiversitätserhalt), mit Ausnahme der spezifischen Stammholzproduktion. Fazit: Baumartendiversität kann als funktionales Instrument zur Steigerung der Systemstabilität fungieren und eine essenzielle Strategie zur Adaption von Produktionswäldern an den globalen Umweltwandel darstellen.
Großflächige Aufforstungen als Beitrag zur Lösung der Klimakrise?
Julia Pongratz
93-104, 6 Farbabbildung
Die Begrenzung der globalen Erwärmung erfordert neben einer raschen und umfassenden Reduzierung der Treibhausgasemissionen auch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre. Wälder leisten hierzu bereits heute den mit Abstand größten Beitrag und sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil einer Strategie zur Erreichung von Treibhausgasneutralität. Oberste Priorität bleibt jedoch das Stoppen der Entwaldung, da der Verlust natürlicher Wälder nicht nur große Mengen CO2 freisetzt, sondern auch Biodiversität und weitere Ökosystemleistungen unwiederbringlich beeinträchtigt. Die Ausweitung von (Wieder-)Aufforstung bietet zusätzlich Potenzial zur CO2-Entnahme, setzt jedoch die Lösung von Zielkonflikten etwa zwischen Klimaschutz, Biodiversität und wirtschaftlicher Nutzung sowie die Überwindung von Hürden wie unsicheren Landbesitzverhältnissen oder veränderten Ernährungssystemen voraus. Richtig umgesetzt kann sie zugleich vielfältige Co-Benefits schaffen – für Biodiversität, lokale Klimaregulierung, Wasserhaushalt und nachhaltige Landnutzung – und den Klimawandel global wie regional abschwächen. Der Wald ist damit ein integraler Bestandteil einer wirksamen Klimaschutzpolitik. Umgekehrt ist konsequenter Klimaschutz die Voraussetzung dafür, dass Wälder ihre Funktion als langfristige und leistungsfähige CO2-Senke auch künftig erfüllen können.
Vom Wissen zum Handeln: Perspektiven für die Zukunft der Wälder
Peter Pröbstle
105-118, 7 Farbabbildung
Wie können forstliche Forschungsergebnisse und neu gewonnenes forstliches Wissen in praktisches Handeln zur Zukunft der Wälder übersetzt werden? Der Beitrag beleuchtet dies am Beispiel der Wälder und der Waldbewirtschaftung in Bayern. Die bayerische Waldfläche blieb zwar in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten weitgehend stabil, aber Klimawandel, Trockenstress, hohe Vorräte, Schadinsekten, Nutzungsansprüche und gesellschaftliche Zielkonflikte setzen den Wald und die Waldgesundheit unter Druck. Ausgehend von Daten zu Waldflächenbilanz, Kronenzustand, Temperaturentwicklung, Trockenheit, Holz- und Totholzvorräten, Baumartenwahl, Waldfunktionen und Waldumbau werden in diesem Beitrag zentrale Handlungsfelder für die Waldbewirtschaftung, aber auch für Politik und Gesellschaft abgeleitet. Dazu zählen konsequenter Klimaschutz, standortangepasste Baumartenwahl, risikobewusster Vorratsabbau, Förderung gemischter und strukturreicher Wälder, Stärkung der Beratung im Privatwald sowie Innovationen für die stoffliche Nutzung von Laubholz. Der Beitrag zeigt: Die Zukunft der Wälder entscheidet sich nicht allein im Wald, sondern im Zusammenspiel von Wissenschaft, Verwaltung, Waldbesitz, Politik und Gesellschaft.
In seiner Rundgespräch-Reihe greift das Forum Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften aktuelle Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit auf. Der vorliegende Band 53 widmet sich dem Zustand, der Gefährdung, dem Management und der Zukunft der Wälder.
Wälder spielen eine wichtige Rolle im Kohlenstoffhaushalt der Erde. Sie tragen entscheidend zur Ausprägung des Klimas bei, indem sie CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und den Kohlenstoff im Holz und im Boden speichern. Diese Senkenfunktion hat jedoch in den letzten Jahren abgenommen. Zum Teil sind Wälder sogar kurzfristig zu CO2-Quellen geworden, wenn sie vom Sturm geworfen oder durch ausgeprägte Trocken- und Hitzeperioden geschwächt vom Borkenkäfer zum Absterben gebracht wurden. Wälder dauerhaft wieder zu Kohlenstoffsenken und für die Zukunft klimaresilienter zu machen, ist daher eine vorrangige Aufgabe. Neben ihrer Funktion als Kohlenstoffsenke leisten Wälder entscheidende Beiträge zum Schutz der Wasserkreisläufe und zum Erhalt der Biodiversität; darüber hinaus stellen sie Holz zur energetischen oder stofflichen Nutzung bereit und bieten Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft. Auch als Erholungsort für die Menschen sind Wälder unverzichtbar. Allein schon die Aufzählung der zahlreichen Funktionen lässt bereits auf eine Vielzahl von möglichen und bislang weitgehend ungelösten Zielkonflikten schließen.
Wir wissen heute sehr gut über die Leistungen und den Zustand der Wälder, aber auch über ihre Gefährdungen Bescheid. Aber wie gelingt ein Waldumbau hin zu neuen Wäldern, die gegenüber Schadereignissen wie Bränden, Stürmen und Insektenkalamitäten gewappnet sind, und dies vor dem Hintergrund, dass den aktuellen Klimamodellen zufolge in Zukunft derartige Schadereignisse in noch größerer Zahl bzw. Intensität auftreten werden? Und welche politischen Entscheidungen sind notwendig, um dem weltweiten Trend der schwächer werdenden klimaschützenden Wald-Kohlenstoffsenken zu begegnen? Diese und weitere Fragen werden in dem vorliegenden Band von Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen behandelt und mit Vertretern aus Wissenschaft, Staatsverwaltung, Verbandswesen und Politik diskutiert, um praktikable Regeln und Lösungen für die nachhaltige Nutzung und den Erhalt unserer Wälder zu finden.
Der Band enthält die überarbeiteten Vorträge und Diskussionen der Fachtagung »Wälder: Zustand, Gefährdung und Management« im März 2026. Unser Dank gilt allen, die zum Gelingen des Buches beigetragen haben, insbesondere den Vortragenden des Rundgesprächs, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Forums Ökologie, Dr. Claudia Deigele, für die Unterstützung der Autorinnen und Autoren bei der Erstellung ihrer Beiträge und für die umfassenden Redaktionsarbeiten sowie Dr. Maximilian Scheungrab für die fachkundige Betreuung des Bandes im Verlag Dr. Friedrich Pfeil.
Am 13. August 2026 verstarb unser langjähriges Mitglied, zuletzt Ehrenmitglied des Forums Ökologie, Professor Wolfgang Haber. Ihm zum Gedenken ist dieser Band gewidmet.
München, im September 2026
Reinhard Mosandl
Annighöfer, Peter, Prof. Dr., Technische Universität München, Professur für Wald- und Agroforstsysteme, Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 2, 85354 Freising
* Bastos, Ana, Prof. Dr., Universität Leipzig, Institut für Erdsystemwissenschaft und Fernerkundung, Talstraße 35, 04103 Leipzig
* Bolte, Andreas, Prof. Dr., Thünen-Institut für Waldökosysteme, Alfred-Möller-Straße 1, Haus 41/42, 16225 Eberswalde
Breitsameter, Bernhard, Bayerischer Waldbesitzerverband e.V., Präsident, Max-Joseph-Straße 7, Rgb., 80333 München
Fischer, Anton, Prof. Dr., Aßling
Häberle, Karl-Heinz, Dr., TU München, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Emil-Ramann-Straße 6, 85354 Freising
Haier, Bianca, Dr., Gymnasium Ismaning, Seidl-Kreuz-Weg 11, 85737 Ismaning
Hamberger, Joachim, Dr., Bayerisches Amt für Waldgenetik, Behördenleiter, Forstamtsplatz 1, 83317 Teisendorf.
* Herold, Martin, Prof. Dr., GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, Wissenschaftspark Albert-Einstein, Telegrafenberg, 14473 Potsdam
Höllerl, Sebastian, Dr., Bayerische Staatsforsten AöR, Leiter Teilbereich Waldbau, Tillystraße 2, 93053 Regensburg
Hüttl, Reinhard F. J., Prof. Dr. Dr. h.c., EEI Eco-Environment Innovation eGbR, Marburger Straße 5, 10789 Berlin
Jacob, Jens, Dr., Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz, Leiter der Abteilung Forsten, Kaiser-Friedrich-Straße 1, 55116 Mainz
Kögel-Knabner, Ingrid, Prof. Dr., Technische Universität München, Lehrstuhl für Bodenkunde, Emil-Ramann-Straße 2, 85354 Freising
Matern, Mine, Prof. Dr., Sachverständige für Lebensmittel, München
* Mosandl, Reinhard, Prof. Dr., Stiftung Karl Gayer Institut für Waldbau, Freising; Unterlippach 2, 84095 Furth bei Landshut
* Müller, Jörg, Prof. Dr., Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Ökologische Station Fabrikschleichach, Glashüttenstraße 5, 96181 Rauhenebrach
* Paul, Carola, Prof. Dr., Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung, Büsgenweg 3, 37077 Göttingen
* Pongratz, Julia, Prof. Dr., Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, Luisenstraße 37, 80333 München
* Pröbstle, Peter, Dr., Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1, 85354 Freising
Radlmair, Stefan, Regierung von Niederbayern, Leiter des Sachgebiets Naturschutz, Postfach, 84023 Landshut
Renner, Susanne S., Prof. Dr., Wissenschaftlicher Beirat des Forums Ökologie, Saint Louis, USA
Rothe, Andreas, Prof. Dr., Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft, Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 3, 85354 Freising
Schaller, Markus, Dr., Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan, Geschäftsführer, Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1, 85354 Freising
* Scherer-Lorenzen, Michael, Prof. Dr., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät für Biologie, Professur Geobotanik, Schänzlestraße 1, 79104 Freiburg
Sedlmeier, Heinz, Dr., Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV), Kreisgruppe München, Klenzestraße 37, 80469 München
* Seidl, Rupert, Prof. Dr., TU München, Lehrstuhl für Ökosytemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften, Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 2, 85354 Freising
Stierstorfer, Christian, Dr., Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV), Bezirksgeschäftsstelle Niederbayern, Bahnhofstraße 10, 94315 Straubing
Tangerding, Simon, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Bayern e. V., Landesgeschäftsführer, Ludwigstraße 2, 80539 München
Thonfeld, Frank, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), Earth Observation Center (EOC), Oberpfaffenhofen, 82234 Weßling
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