Die Nördlichen Kalkalpen vermitteln am Alpennordrand zwischen den kristallinen Regionen der Hohen Tauern und die Grauwackenzone im Süden, dem Mittelgebirge von Rhenodanubischem Flysch und Helvetikum im Norden und dem davor liegenden flachhügeligen, vorwiegend glazigen geprägten Alpenvorland. Das zentralösterreichische Bundesland Salzburg mit seiner gleichnamigen Landeshauptstadt umschließt alle diese geologischen Einheiten der zentralen Ostalpen in landschaftlich beeindruckender Weise. Der vorliegende Band widmet sich dem nördlichen Bundesland Salzburg und umfasst den Bereich der Kalkalpen über einen schmalen Streifen Helvetikum (eine Art „ureuropäischer Schelf“) bis zum eiszeitlich geprägten Vorland.
Wer die Doppelbände 40 und 41 (Berchtesgadener Alpen) sowie 43 und 44 (Zillertaler und Tuxer Alpen) dieser Buchreihe gelesen hat, wird verstehen, dass Alpengeologie komplex ist und so kompliziert, dass selbst die Gelehrten bis heute in sehr intensiven Diskussionen und erbittert ausgetragene Disputen über ihren Internbau verstrickt sind und mitunter vortrefflich darüber streiten. Dennoch versucht auch dieser Band, dem Leser die ganz spezielle Kalkalpen-Geologie Salzburgs und angrenzender Regionen nahezubringen – allerdings ohne den Anspruch wissenschaftlicher Vollständigkeit, denn das würde den Rahmen eines allgemeinverständlich gehaltenen Buches schier sprengen. In Übersichts-Kapiteln wird zunächst eingangs die strukturelle und lithologische Vielfalt des hier vorgestellten Gebietes erläutert und dabei der Landschaft buchstäblich der „geologische Spiegel“ vorgehalten: Denn die heute sichtbare Morphologie ist immer ein Ergebnis der zugrundliegenden Geologie! Vor allem die Eiszeiten in jüngster erdgeschichtlicher Vergangenheit haben dem Salzburger Flachgau und dem sich südlich anschließenden Salzachtal ihren unübersehbaren „geologischen Stempel“ aufgedrückt!
Einmal mehr wird die Reihe der „Wanderungen in die Erdgeschichte“ wortwörtlich genommen: Das Meiste an beschriebenen Routen-Kilometern muss aus eigener Kraft erwandert oder per Drahtesel „erfahren“ werden! Das Auto taugt nur, um zum Ausgangspunkt zu gelangen. Was so ganz unzeitgemäß in unserer hektischen, sich immer schneller drehenden Welt scheint, hat den simplen Zweck, sich der Natur so entschleunigt zu nähern, wie sie es verdient – denn geologische Prozesse laufen stetig, aber in für uns unvorstellbar langen Zeiträumen ab. Zudem bedingt auch die „Geologie am Wegesrand“ samt Blick auf die Gegend rund um die Exkursionsroute einiges an Muse und geologischer Vielseitigkeit, wechselt sie doch zwischen ständig zwischen Deckentektonik, Gesteinen, Fossilien, Ökologie einstiger Lebensräume sowie Eiszeitkunde hin und her: Sie nimmt Bezug auf das, was eben gerade zu sehen ist. Natürlich wurde auch in diesem Buch versucht, das Ganze in einem größeren Rahmen zu betrachten und den Blick „über den Tellerrand“ zu wagen. Zehn geologische Wanderungen nehmen den Leser mit durch das nördliche Land Salzburg: Es gibt es eine geologisch „polyglotte“ Fahrradtour durch den Salzburger Flachgau von einer der berühmtesten Fossilfundstelle des alpinen Helvetikums zur klitzekleinen, aber sehr netten „See-Riviera“ der Obertrumer Seenplatte und zu einem der letzten Kugelmüller des Landes Salzburgs. Ein kulturgeologischer Spaziergang führt ins Herz der Stadt Salzburg, eine Schluchtwanderung durch die Glasenbachklamm in eine Zeitreise über viele Millionen Jahre von der Gosau bis in den Unterjura, eine Halbtages-Fahrradtour verbindet zwei ganz besondere Fossilfundstellen zwischen Adnet und Wiestal miteinander und eine Grenzwanderung die geschichtsträchtige Region zwischen Berchtesgaden und Hallein. Wer von Eiszeiten nicht genug hat, kann sich einmal mehr per Fahrrad ins Salzachtal zwischen Bad Vigaun, Golling und Pass Lueg aufmachen, oder einen Spaziergang durch die Hügel ostwärts des kleinen Örtchens Golling erwandern. Und wer höher hinaus will, dem gefällt vielleicht ein steiler, aber aussichtsreicher Weg auf den Schwarzen Berg „zwischen den Tälern“. Oder er wagt die beiden (hoch)alpinen Wanderungen des vorliegenden Bandes, und erwandert das sagenumwobene Untersberg-Massiv auf teilweise bekannten, aber auch sehr unbekannten Pfaden – samt Europas größter Eishöhle und seltsamen Sedimenten über einem schier endlosen Latschen-Urwald.

Thomas Hornung, Jahrgang 1975, ist studierter und promovierter Geologe und Paläontologe. Geboren und aufgewachsen in Bamberg am Rand der Frankenalb, ist er nach seinen buchstäblich „fossilreichen“ Jahren in seiner Heimat Oberfranken seit beinahe einem Vierteljahrhundert Wahl-Oberbayer und lebt seither in Berchtesgaden.




Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.