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Blick ins Buch:
MARTIN, Wolfgang

Messel – Phönix aus dem Müll

Oder Wie die Grube Messel Welterbe wurde

2026. [Deutsch] – 276 Seiten, 32 Abbildungen
24,5 × 17,3 cm, Hardcover.

Vorbestellung. Dieses Buch ist im Druck.

ISBN: 978-3-89937-315-8
Artikelnummer: 9783899373158 Kategorien: Paläontologie, Bücher Paläontologie

39,80 €

zzgl. Versandkosten / Versandkostenfrei in D

Eine Schilderung der Rettung des UNESCO-Weltkulturerbes Grube Messel vor der Nutzung als Mülldeponie.

Der Autor beschreibt, wie eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern ab 1987 im Verborgenen gegen politische und wirtschaftliche Interessen vorging. Dabei wird deutlich, dass viele entscheidende Akteure und Hintergründe bis heute kaum bekannt sind. Im Mittelpunkt steht ein lange unbekannter Unterstützer, ohne dessen Einfluss die Rettung der Fossilienfundstätte wohl nicht gelungen wäre. Das Buch rekonstruiert die Ereignisse aus erster Hand und zeigt, wie lokaler Widerstand zum Erhalt eines bedeutenden Welterbes führte.

  • Beschreibung
  • Inhalt
  • Einleitung
  • Geleitwort
  • Autor
  • Rezensionsexemplar

Weshalb noch ein weiteres Messel-Buch?

Am 20. Oktober 2017 wurde im Museumshof in Messel eine Gedenktafel enthüllt, die die Namen aller 55 Kläger aus der Gemeinde und diejenigen von Unterstützern des Rettungswerkes trägt. Bei den dazu gehaltenen Reden und auch bei einem Festakt zu „25 Jahren Welterbe Grube Messel“ am 7. Oktober 2020 trat allerdings zutage, dass der wahre Verlauf des Geschehens weitgehend unbekannt ist.

Das erwies sich auch schon vor dem 25. März 2015, als die Entega AG in Darmstadt Mitgliedern der früheren Bürgerinitiative zur Verhinderung der Mülldeponie den „Ludwig Bergsträsser Preis“ überreichte. Mit dessen großzügig bemessener Geldsumme konnte besagte Tafel in Auftrag gegeben werden. Allerdings zeigte sich, dass selbst der frühere Senckenberg-Direktor Prof. Dr. Fritz Steininger, der Laudator für diesen Veranstaltungspunkt, hatte nachfragen müssen, wem wirklich zu verdanken sei, dass die Fossilien nicht unter Müll verschwanden. Er war allerdings auch erst 1995 an das Frankfurter Institut gelangt, während der Kampf um die Grube nur bis Ende 1989 ging.

In einem innersten Widerstandszirkel waren es ab dem April 1987, dem Datum der politischen Wende in Hessen, zunächst vier verschworene Akteure, dann noch ein Lokalpolitiker aus Messel selbst, die damals regelrecht konspirativ agieren mussten: So blieb ihr Tun bis heute mehr oder weniger verborgen.

Der Autor ist einer der drei überlebenden Streiter. Aber: Es gab noch einen weiteren Mann, von dem bis ins Jahr 2004 nur wenige Wiesbadener Ministerial­beamte wussten und der erst im November 2020 gleichsam aus der Deck­ung trat. Ohne ihn, das kam heraus, wäre alles umsonst gewesen, was die Bürger bereits auf eigene Faust und lange vor dem Frühjahr 1987 zur Rettung der Grube Messel ins Werk gesetzt hatten. Lesen Sie selbst, wovon der Filmer Gerald Beck meinte, das sei „ein wunderbares Treatment für einen Film“.

Über dieses Buch 8

Vorschau 10

Geleitwort 11

Danksagung 13

1 Einleitung 14
Die letzten Jahre bis 2023 14

2 Die Vorgeschichte 21
Vor dem Bergbau und Gewerkschaft Messel 21
Der Übergang zur Firma YTONG: Wer muss wie rekultivieren? 27
Offizielle Fossiliensuche bis zur Beendigung des Bergbaus 30
Goldgräberstimmung nach der Beendigung des Bergbaus: die Privatsammler 31

3 Heraufziehen der Deponie-Ideen. Alternativen 34
Was mit dem großen Loch anfangen? 34
Gefährdete Fossiliensucher? Instabile Hänge? 42
Von wem stammt die Idee mit der Mülldeponie Messel? 45

4 Rechtliche, wirtschaftliche und wissenschaftliche Rahmenbedingungen um 1970. Parteipolitik 59
Die Abfall-Situation ab der Nachkriegszeit in Deutschland. Behördenzuständigkeiten. Umweltstrafrecht 59
Ablauf der Abfallbeseitigung nach 1945 63
Die Achillesferse aller Planfeststellungsverfahren 64
Verfahrensrecht als angewandtes Verfassungsrecht 67
Erfolge der Privatsammler 68
Der Part der Parteipolitik beim Projekt Deponie Messel 73
Senckenberg und „Kompromisslösungen“ 77
Gesetzliche Pflichten früherer Bergwerksunternehmer  86

5 Lösungsansätze aus Sicht der Behörden: Störfaktor Denkmalschutz 89
Drei Fliegen mit einer Klappe 89
Auch an vorhandene Altlasten war gedacht 91
Müll für Messel als Wirtschaftsfaktor 97
Denkmalschutz als Stiefkind 99
Verwaltung und Gerichte sind gegenüber den Bodendenkmälern in der Grube blind 101

6 Woher der Müll? Müllnotstand? Bau der Deponie. Aufrechte Bürger  108
Wer wollte oder sollte alles mit seinem Müll in die Grube? 108
Müllnotstand und planerische Güterabwägung 113
Regierungspräsidium Darmstadt und Alt-Deponien im Bezirk 116
Die Bürger spielen nicht mit 118
Die 55 Messeler Privatkläger 122
Die Deponie wird erst einmal angelegt 129
Die Abfall-Situation in Südhessen im Planungszeitraum der Deponie Messel 135

7 Das Planfeststellungsverfahren 138
Ablauf des Planfeststellungsverfahrens Grube Messel 141
Man steht sich im Bürgerhaus Messel gegenüber. Das Grabungsgutachten 152
Der Planfeststellungsbeschluss ergeht. Errichtung und Stillstand 163
Walter Wallmann legt die Hebel um 165

8 Der Kampf gegen das Verfahren 169
Aus Tübingen: Schreiben an Paläontologen in aller Welt 169
Mein Bruder setzt mich ins Bild 175
Petitionen 177
Reaktionen auf die Proteste 181
Mit Leserbriefen gegen Goliath 183
Der Retter 1.0: Dr. Reinhard Heil 183
Der Musterkläger: Willy Mößle 188
Weitere Verbündete 191
Zufälle im Kampf um das Welterbe Messel? 196
Gleiss Lutz übernimmt den Fall 197
Es geht vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof 198

9 Vorbereitungen auf einen Kompromiss 206
Dramatische Abstimmung der Gemeindevertreter in Messel 206
Public Relation für das Welterbe in Messel selbst 208
Public Relation im Hess. Rundfunk und im Südwestfunk 215
Erster Spruch des VGH und Anwaltswechsel der Gemeinde 217
Der Hessische Rundfunk überträgt aus Messel 221
Verwaltungsstreitverfahren Wolfgang Martin ./. Land Hessen 225
Informationsveranstaltung am 18. Februar 1988 in Darmstadt 233
VGH-Hauptsacheentscheidung und Revisionszulassung zum Bundesverwaltungsgericht 237
Fachplanungsrecht um 1980 am BVerwG: Schlupflöcher? 243
Wie dachten die Richter am Bundesverwaltungsgericht wirklich über Messel? 245
Der Beiladungsantrag des Wolfgang Martin 255

10 Die wundersame Wende zum Guten 259
Der Retter 2.0: der Urlaubsvertreter im Umweltministerium 259
Manfred Bäurle greift ein 265
Das Wunder von Messel 269
Versuch eines Resümees 272

Über den Autor 274

Wer heute auf die Besucherplattform am Rande der Grube Messel tritt, erblickt eine seltsame Installation von „Land Art“, vielleicht entsteht auch der Eindruck, hier sei vor Zeiten ein Landeplatz für Außerirdische angelegt worden: Eine ausgedehnte Schotterfläche mit einem trutzigen Turm in deren Südwestecke. In Wahrheit erinnert dieses Szenario daran, dass etwas ganz anderes, nämlich eine monströse Mülldeponie statt der heutigen Welterbestätte vorgesehen war. Wie hat das geschehen können? Auch wenn die Politiker nicht notwendig Fachleute auf den Gebieten sind, für die sie verantwortlich zeichnen, verfügen sie doch über qualifiziertes Personal.

Der Autor zählt zu den Bürgern aus der Umgebung Messels, die gegenüber gleichgerichteten und eng geschlossenen Fronten für sich zunächst keinen Ansatzunkt sahen, irgendetwas gegen die geplante Verfüllung mit Müll zu bewirken. Diese war um 1968 ins Gespräch gebracht und in der Folge verbissen vorangetrieben worden. Aber mit etlichen glücklichen Fügungen kam eine Wende nach knapp zwei Jahrzehnten: ab dem Frühjahr 1987. Die bisherige große Oppositionspartei sollte da mit einem kleineren Partner die Regierungsgeschäfte übernehmen. Zu einer Umkehr kam es allerdings erst einmal nicht, obwohl die größere Partei zeitweise sogar für eine Freihaltung für die Forschung plädiert hatte. Im Gegenteil: Jetzt führte an der Zentraldeponie angeblich kein Weg mehr vorbei. Das verstehe, wer will: In dieser an Ungereimtheiten nicht armen Story ragt indessen – damals völlig unerwartet – Ministerpräsident Walter Wallmann wundersam heraus: Hatte er doch den Mut gehabt, trotz des auf die Verfüllung versessenen Koalitionspartners bereits im Januar 1988 den „persönlichen Wunsch“ zu äußern, „die Grube den Altertumsforschern zu überlassen.“

Dieses Buch ist aus dem Bestreben entstanden, die komplexen Fakten, die zum eigenen kritischen Nachvollzug des Geschehens unabdingbar erscheinen, zusammenhängend festzuhalten. Wer zum Beispiel war überhaupt auf die Idee mit einer Mülleinbringung in den aufgelassenen Tagebau gekommen? Erst im Juni 2023 fand man – mit „Nachhilfe“ durch den Autor – im Archiv des früheren Landesamtes für Bodenforschung das von dort stammende, entscheidende Gutachten aus dem Jahre 1971 wieder. Und siehe da: Darin war bodenmechanisch tatsächlich alles schon vorgespurt. Aber was stand da von den Fossilien?

Anliegen dieses Buches ist es zugleich, klarzustellen, wem alles die Rettung des ersten Weltnaturerbes auf deutschem Boden wirklich zu verdanken ist. Wissen wir doch: Alles endet (so – satirisch – „Die sechs Phasen der Planung“) mit (der Bestrafung Unschuldiger und) der Belobigung Unbeteiligter. So drängten sich in den letzten Jahren Personen als Triumphatoren vor, die in der entscheidenden Phase gar nicht mehr involviert waren. Soweit es für das Verständnis der Vorgänge um den Kampf von Bürgern für ein (damals noch latentes) Welterbe erforderlich ist, werden Erläuterungen gegeben.

Insofern kann das Buch auch als Leitfaden für Bürgerinitiativen gelesen werden, die wie hier auch mit juristischem Scharfsinn und nicht anders gegen vermessene Vorhaben vorgehen wollen. Zu den Schlüsselereignissen wird immer aus den damaligen Akten zitiert: Vieles an Abläufen auf dem Weg von der Planung bis zu einer tatsächlich schon fast fertiggebauten Abfall-Ablagerungsstätte und dem endlich dann doch anerkannten Welterbestatus ist für den arglosen Bürger so unvorstellbar, dass dazu belastbare Belege unentbehrlich erschienen. Wer tiefer schürfen möchte, findet damit den Einstieg, vielleicht selbständig in den Hessischen Staatsarchiven Darmstadt und Wiesbaden weiter zu graben. Und: Bekanntlich hat es da, wo eine (wissenschaftliche) Arbeit Platz hat, auch noch genug Raum für eine zweite.

Die Bürgerinitiative zur Verhinderung der Mülldeponie Grube Messel hatte nach ihrer Selbstauflösung in einer letzten Mitgliederversammlung am 10. Juli 1998 alle ihre Unterlagen an das Staatsarchiv Darmstadt abgegeben. Dorthin wanderte aus dem Hessischen Landesmuseum auch der dienstliche Nachlass einer Schlüsselfigur des Messel-Geschehens, derjenige von Herrn Museumsdirektor i. R. Dr. Reinhard Heil (1925-2004). Sein umfangreicher privater Messel-Aktenbestand, den seine Witwe Marlene Heil dem Autor übergab, hat zusammen mit einer Fülle an weiteren Materialien der Darstellung hier zugrunde gelegen. Auch hat mir der Sohn eines weiteren wichtigen Beteiligten, Willy Mößles, des letzten Vorsitzenden der Bürgerinitiative gegen die Mülldeponie, dessen umfangreiche Unterlagen überlassen. Die privaten Unterlagen von Dr. Heil werden bald im Staatsarchiv in Darmstadt zur Verfügung stehen. Der Akten­bestand des verantwortlichen Oberbergamts, das den Genehmigungsbescheid – historisierend „Planfeststellungsbeschluss“ genannt – für die Müllverfüllung verfasste, wurde leider noch nicht dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden zugeführt und konnte daher nicht ausgewertet werden: Denn man ließ keinerlei Einsicht in die Vorgänge auch auf der Dienststelle selbst zu und zwar auch nicht durch mich, das heißt: seitens eines früheren Kollegen aus dem Regierungspräsidium Darmstadt, dem man nach einer Umstrukturierung heute selbst angehört.

Bei der Konzeption dieses Buches vor 20 Jahren ahnte außerhalb einer Handvoll Ministerialbeamter aus dem Hessischen Umweltministerium um 1989 niemand, welcher „weitere“ Mann jenseits eines engsten Kreises von vier oder fünf Personen, die sich dem Rettungswerk verschrieben hatten, ab Frühjahr 1987 ganz zum Schluss Schicksal spielen sollte. An sich Kernphysiker, war er von Walter Wallmann nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl als Staatsekretär ins Umweltministerium in Wiesbaden berufen worden. Dort wurde er auch für die Abfallbeseitigung und damit für Messel zuständig. Er hat seit 2019 den Autor überaus verständnisvoll beraten und dabei Nachsicht, ja Milde für die verfahrene Situation damals durch alle Verwaltungsebenen hindurch angemahnt: Die Beinahekatastrophe müsse als Systemversagen, nicht dasjenige einzelner, schon gar nicht unfähiger, Akteure angesehen werden. Die seit Kriegsende immergleiche Regierungspartei habe bis zur Wende im Frühjahr 1987 eine Gleichrichtung aller staatlichen und staatsnahen Funktionen bewirkt. Das öffnet einem die Augen: Denn letztlich stand nach seiner Wahrnehmung am Ende niemand mehr so recht hinter dem Deponievorhaben, sah sich aber bis zum Umdenken „von oben her“ im Sog einer unheilvollen Gruppendynamik mit Zwang zu vorvollzogenem Gehorsam. Um dann aber froh zu sein, ohne Gesichtsverlust aus dieser Sackgasse herauszukommen. Der eigentliche Turning Point in den Regierungsentscheidungen fußt zum Schluss auf dem Eingreifen dieses Mannes im nämlichen Jahre 1989. Rückblickend ist er freilich der Auffassung, er habe dieser verqueren Geschichte eigentlich „nur den letzten Schubs“ gegeben – und lediglich eine unzeitgemäße Deponie verhindert.

Davon erfuhr die Öffentlichkeit allerdings erst im November 2020 und zwar lediglich im Darmstädter Echo. Im vorliegenden Buch ist nun auch dieses finale Rettungswerk in allen verblüffenden Einzelheiten nachzuvollziehen. Mit Darmstadts Nationaldichter Ernst Elias Niebergall könnte man fragen: „Korjos! Und wie is des zugange?“ (Datterich, Erstes Bild, vierte Szene).

Da von den damaligen Bürgern im Erwachsenenalter, die von der vollständigen Abkehr gegenüber den Deponieplänen nach dem Juni 1989 überrascht worden waren, leider nicht mehr viele leben, die frei nach Goethe sagen könnten: „Wir sind dabei gewesen“, wurde es Zeit für dieses Buch: den Nachgeborenen zur Anschauung und auch und gerade Ermutigung zu eigenem Tun.

Der Bürger als Störenfried – ohne Alternativen baut’s sich leichter

„Im Rahmen der Interessenabwägung ist nur die von den Beklagten gewählte Planung zu bewerten. Es kommt also nicht darauf an, ob eine Umplanung technisch möglich ist und welchen Aufwand diese erfordert. Der Eigentümer definiert, welche Planungsvariante in die Abwägung einzustellen ist.“ Dieser bemerkenswerte Satz ist einem Urteil über Erhalt oder Abriss von Teilen des Stuttgarter Hauptbahnhofs zum Bau von Stuttgart 21 entnommen. So wird begründet, warum es keine Rolle spielt, dass man das Denkmal Hauptbahnhof hätte erhalten können, wenn man eine andere Planung verfolgt hätte. Der Abriss wurde genehmigt. Das Urteil legt schonungslos offen, woran die Genehmigung von Großbauvorhaben in Deutschland krankt: Alternativen sind belanglos, wenn der Vorhabenträger sie nicht will.

Im Fall Stuttgart 21 hat das eine ganze Stadtgesellschaft in Aufruhr versetzt. Wenn es halb so viel kostet, einen vorhandenen Bahnhof zu modernisieren, als ihn mit dramatischen Eingriffen in die Stadtstruktur zu vergraben und sich dann noch in einer live übertragenen Schlichtung zeigt, dass diese Alternative erstens nie geprüft wurde und zweitens weitaus leistungsfähiger als die „vom Eigentümer definierte Planung“ ist, dann werden selbst brave Schwaben zu Protestierern.

In Messel ist das anders. Dort haben engagierte Bürgerinnen und Bürger bereits in den 80er Jahren verhindert, dass eine Fossilienstätte, die heute den Rang eines Weltnaturerbes hat, unter einer Müllkippe verschwindet. Sie haben sich nicht einreden lassen, dass der Müllnotstand diese Deponie alternativlos mache. Als Tübinger Oberbürgermeister kann man ein wenig stolz darauf sein, dass Tübinger Paläontologen im erfolgreichen Protest eine Schlüsselrolle einnahmen. Die Hoffnung, dass wie in Messel am Ende ein Gericht erkennt, wie ein Planfeststellungsbeschluss manipuliert werden kann und Stuttgart 21 noch verwirft, ist leider perdu. Rechtsmittel gibt es nicht mehr. Der andere Faktor, der in Messel dem Bürgerprotest zum Erfolg verhalf, ist, da ich dies schreibe, bedauerlicher Weise nicht mehr denkbar: ein Wechsel in der Politik. Denn auch die Mülldeponie in der Grube Messel war bereits im Bau, als sie durch den Einzug der Grünen in die hessische Landesregierung vorläufig gestoppt wurde.

In Stuttgart ist es leider nicht gelungen, der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen. Der neue Bahnhof soll nun 2030 in Betrieb gehen – bei einer annähernden Verdreifachung der Kosten, über die abgestimmt worden war. Während der Bürger in Stuttgart zusehen musste, wie ein Baudenkmal von internationalem Rang verstümmelt wurde, darf man sich in Messel über den erkämpften Weltnaturerbe-Status freuen. Glückwunsch an diejenigen, die sich das auf ihre Fahnen schreiben können. Diese Geschichte ist allemal wert, dokumentiert zu werden. Es ist das Verdienst von Prof. Dr. Wolfgang Martin, dies geleistet zu haben.

Boris Palmer

Oberbürgermeister in Tübingen

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Prof. Dr. Wolfgang Martin lehrte von 1995 bis 2015 an der Technischen Hochschule Mittelhessen vor allem Umweltrecht. Er brachte dazu jahrzehntelange praktische Erfahrung mit, hatte er doch als Dezernent im Bereich des Rechtes der Abfallbeseitigung und dann des Immissionsschutzes beim Regierungspräsidium Darmstadt vor allem die Entwicklung des Abfallrechts seit 1980 hautnah miterlebt. Dazu hatte er etliche umfangreiche umweltrechtlich bedeutsame Genehmigungsverfahren als Jurist begleitet.

Ihm gelang es in der heißen Phase des Kampfes um das Weltnaturerbe Grube Messel ab dem Frühjahr 1987, zusammen mit dem Geologen Dr. Reinhard Heil, die prozessuale Wende in dem Verwaltungsstreitverfahren, das mittlerweile den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel erreicht hatte, herbeizuführen. Beide zählten zu den vier oder fünf Bürgern des engsten Widerstandskreises. Erst verteufelt, ja als Beamte dienstlich benachteiligt, verlieh man beiden später großzügig Orden.

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